Am 03. Mai 2026
Am 1. Mai 1966, vorgestern vor 60 Jahren, wurde die Kirche St. Josef in Jungingen geweiht, von Weihbischof Wilhelm Sedelmeier aus Rottenburg. Kirchweihe, eine neu erbaute Kirche, das war ein großes Fest für die ganze Gemeinde. Was war vorher geschehen? Von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Jungingen ein evangelisches Dorf. Dort lebten fast nur evangelische Christen.
Das änderte sich. Nach dem Krieg kamen Heimatvertriebene vor allem aus Ungarn nach Jungingen. Sie waren katholisch. Sie fanden Arbeit. Sie begannen, Häuser zu bauen, eine neue Heimat. Das war nicht einfach. Man half sich gegenseitig. Als katholische Christen durften sie in der evangelischen Dorfkirche Peter und Paul Gottesdienste feiern. Sie sagten: Das geht schon so. Richtig zu Hause in Jungingen sind wir aber erst, wenn wir eine eigene Kirche haben. So begannen sie, die Kirche zu bauen. Was wörtlich gemeint ist. Vieles wurde in Eigenleistung gemacht. Spenden wurden gesammelt, im Dorf und in vielen anderen Gemeinden. Ausgestattet wurde die Kirche vor allem von einem Künstler: Sepp Baumhauer aus Schwäbisch Gmünd. Er schuf den Altar, den Ambo, das Altarkreuz, den Tabernakel, die Marienfigur mit dem Jesuskind, später auch den Kreuzweg, der draußen vor der Kirche beginnt mit der Skulptur des Schmerzensmanns und auch draußen endet mit der Figur des Auferstandenen. Diese Ausstattung der ganzen Kirche durch einen modernen Künstler über Jahrzehnte macht die Kirche St. Josef einzigartig. Diese Qualität an Kunst würde man auf den ersten Blick in einer äußerlich schlichten Dorfkirche nicht erwarten. Menschen und Gruppen, die sich für das Werk von Sepp Baumhauer interessieren, kommen nach Jungingen in die Kirche. Was bis vor zehn Jahren in der Kirche noch fehlte, das war ein Bild des Kirchenpatrons, des heiligen Josef. Monika Baumhauer, die Tochter von Sepp Baumhauer, der inzwischen verstorben war, sie hat dieses Bild für uns gemalt zum 50-Jahr-Jubiläum 2016. Es hängt vorne links vom Altar, hinter der Marienfigur. Josef, der Träumer, Josef, der Arbeiter auf der Baustelle. Sein Gedenktag ist der 1. Mai. In der Kirche wird Liturgie gefeiert. Es gibt die Minis und die Mesnerin, Lektorinnen und Kommunionhelfer, Organistinnen, den Diakon, den Pfarrer. In der Kirche wird musiziert, im Gottesdienst, bei Konzerten. Es gibt eine wunderbare Orgel, den Kinder- und Jugendchor JungSpatzen, den Kirchenchor der Seelsorgeeinheit Böfingen Jungingen mit dem schönen Namen Choreluja. Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Das sagt Jesus Christus im Evangelium. Wir vertrauen darauf: Bei Gott im Himmel, da ist für alle Menschen eine himmlische Wohnung bereitet, aber eben nicht nur da. Was im Himmel vollendet wird, das beginnt schon hier auf Erden. Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Hier in der Kirche ist viel Platz für viele verschiedene Menschen, für Kinder und Jugendliche, für Frauen und Männer, für fromme Menschen und für Menschen, die auf der Suche sind. Das war so in der Vergangenheit und das wird auch so bleiben in der Zukunft, in der Kirche der Zukunft. Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, viel Platz für alle hier und jetzt. Die Tür zu diesen Wohnungen öffnet uns unser Jahresthema: Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Bild mit heiligem Josef und Marienstatue FOTO: Frank Houdek © 2024
- Altarraum St. Josef FOTO: Frank Houdek © 2024
- Messe auf dem Kirchplatz in Zeiten von CORONA FOTO: Frank Houdek © 2020

