Am 5. April 2026

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Bornholmer Straße, das ist der Titel eines Films. Er erzählt, was am 9. November 1989 geschehen ist, an der Bornholmer Straße. Dort war ein Grenzübergang, von Ostberlin nach Westberlin. Grenzsoldaten stehen und sitzen vor dem Fernseher. Entsetzt erfahren sie: DDR-Bürger dürfen in den Westen reisen, einfach so, ab sofort, unverzüglich, was tun? Der Kommandant des Grenzpostens ruft seinen Vorgesetzten an, mehrfach, bittet um einen Befehl. Was sollen wir tun? Er bekommt keinen Befehl. Er lässt den Waffenschrank öffnen. Kalaschnikow-Sturmgewehre werden ausgegeben. Dann passiert es: Der erste illegale Grenzübertritt.

Doch es ist kein Mensch, der in den Grenzbereich eindringt. Es ist ein kleiner Hund. Die Grenzer versuchen, ihn einzufangen, was ihnen gelingt, mit Mühe. Der Kleine ist einfach unheimlich schnell und wendig. Er erobert die Herzen der Grenzer im Sturm. Alle wollen ihn auf den Arm nehmen. Er zeigt: Die Soldaten sind keine Killermaschinen, eiskalt, gnadenlos, effektiv. Nein, sie sind Menschen. Sie haben ein Herz, ein großes Herz, erst einmal für den kleinen Hund, dann, später, auch für die Menschen, die über die Grenze wollen. Draußen am Schlagbaum ist alles ruhig, noch. Doch dann kommen sie, erst wenige, dann immer mehr, Hunderte, Tausende. Sie rufen Sprechchöre. Sie wollen über die Grenze. Die Menschenmenge ist riesig. Ihnen gegenüber steht eine Handvoll Grenzsoldaten. Die Spannung ist unerträglich. Dann kommt der Befehl, endlich: Einzelne Personen dürfen die Grenze passieren. Eine ältere Frau fragt den Offizier: Ich möchte meine Tochter in Westberlin besuchen. Wir haben uns zwei Jahre nicht gesehen. Ich bin seit über 30 Jahren Lehrerin. Ich komme bestimmt zurück. Sie darf passieren. Weitere folgen. Schließlich fasst sich der Kommandant ein Herz und öffnet eigenhändig den Schlagbaum, was er eigentlich nicht darf. Eine Lawine von Menschen, eine Lawine der Freude brandet an ihm vorbei. Was hat das mit Ostern zu tun? Für die Menschen in der DDR beginnt am 9. November 1989 ein neues Leben. Die Schlagbäume an den Grenzen öffnen sich. Der Stein ist weggerollt vom Grab, neues Leben. Begonnen hatte alles Wochen zuvor, bei friedlichen Demonstrationen. Die hatten begonnen in den Kirchen. Ob das ein Zufall war? Zufall ist ein Name des Heiligen Geistes. Neues gutes Leben, in Freiheit, möglich war das nur, weil es in Moskau einen mächtigen Mann gab, der ein Herz hatte für die Menschen. Wer hat sein Herz bewegt, damit er menschlich handelt? Wer bewegt die Herzen der Menschen, damit sie menschlich handeln, damit sie Frieden stiften, damit sie dem Leben dienen und nicht dem Tod? Wer sorgt dafür, dass mächtige Menschen österliche Menschen werden? Menschen, die Sturmgewehre im Waffenschrank lassen, Grenzen öffnen, schwere Steine wegrollen vom Grab, Leben stiften statt Tod? Solche österliche Menschen brauchen wir auch heute dringend. Der Kommandant der Grenzstation Bornholmer Straße heißt im Film Schäfer. So haben ihn die Filmemacher genannt. Im wirklichen Leben hieß er Jäger. Vom Jäger zum Schäfer, ein Zufall? Zufall ist ein Name des Heiligen Geistes. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist.

 Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 Bildnachweise:

  • Bornholmer Straße - DVD-Cover des ARD-Films, Rechte: UFA © 2014
  • Das leere Grab - KI-generiert
  • Die Auferstehung Christi - Salvadore Dali