Am 18. Oktober 2026

weiz sw

 

Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Das ist unser Jahresthema. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Was bedeutet das praktisch, ganz konkret? Was können wir tun? Zwei Beispiele. Im Allgäu, in der Nähe von Bad Wurzach, liegt mitten in einem Wald ein Kloster. Kaum jemand kennt es. Es ist die Kartause Marienau, das einzige Kartäuserkloster in Deutschland. Dort leben Mönche. Was tun sie?

Sie beten das kirchliche Stundengebet und sie feiern die Heilige Messe, am Tag und in der Nacht. Sie beten auch für die Menschen draußen. An der Klosterpforte kann man läuten und darum bitten, dass die Mönche in besonderen Anliegen beten, wenn eine Prüfung ansteht, wenn jemand krank ist, wenn jemand gestorben ist. Die Ordensbrüder kümmern sich um den Garten und um die Küche. Ansonsten tun sie fast nichts. Sie leisten keine Seelsorge. Sie halten keine Taufen, keine Trauungen, keine Beerdigungen, außer wenn ein Kartäuser gestorben ist. Sie geben keinen Religionsunterricht. Sie betreiben keinen Kindergarten, kein Krankenhaus, kein Altersheim. Sie verlassen ihr Kloster nur einmal in der Woche, am Montagnachmittag. Da gehen sie zusammen spazieren und dürfen miteinander reden. Ansonsten herrscht Schweigen, Stille, die große Stille. Gegründet hat den Kartäuserorden der heilige Bruno vor gut 900 Jahren. Sein Gedenktag ist der 6. Oktober. Bruno hatte eine glänzende Karriere in der Kirche in Aussicht. Er war Domherr in Köln. Er leitete die Domschule in Reims. Er sollte Erzbischof von Reims werden. Ein anderer Kandidat wurde ihm vorgezogen. Bruno zog sich zurück in die Einsamkeit, in ein abgelegenes Tal in den Bergen bei Grenoble, Cartusia, Chartreuse. Dort lebte er als Einsiedler. Gefährten schlossen sich ihm an. Der Orden breitete sich aus. Was lernen wir von Bruno und von den Kartäusern? Beten und Gottesdienst feiern ist sinnvoll, so sinnvoll, dass es Menschen gibt, die fast gar nichts anderes tun. Ihnen fehlt nichts. Sie sind glücklich. Sie sind „den vielfältigen Gefahren und dem Schiffbruch auf den Wogen dieser Welt entgangen“. Sie haben „den stillen und sicheren Hafen der inneren Welt erreicht“. So sagt es Bruno. Stat crux dum volvitur orbis. Das Kreuz steht fest, während die Welt sich weiterdreht. Das ist der Wahlspruch der Kartäuser. Beten und Gottesdienst feiern ist sinnvoll, auch für Menschen, die nicht Kartäuser sind, Menschen, die viele andere Aufgaben haben, in der Familie, im Beruf, im Ehrenamt. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Das Kreuz steht fest, die Welt, sie dreht sich weiter. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Was bedeutet das? Wie geht das? Ein zweites Beispiel, so ganz anders als das erste. Im Südwest-Fernsehen und in der ARD- Mediathek gibt es eine Doku-Serie: Heli-Retter - Ulmer Notärzte im Einsatz. Am Bundeswehrkrankenhaus Ulm startet der Rettungshubschrauber Christoph 22. An Bord ein Pilot, ein Notarzt, ein Rettungssanitäter. Sie fliegen nach Dornstadt, nach Langenau, zu einem Unfall, zu einem medizinischen Notfall. Sie helfen hoch professionell. Wie sie sich um ihre Patienten kümmern wie sie aufeinander und auf die anderen Rettungskräfte achtgeben, das beeindruckt. Wir alle dürfen dankbar dafür sein, dass wir hier in der Region im Notfall so gut versorgt sind. Beeindruckend sind auch die Bilder, wenn der Heli fliegt. Man sieht das Münster, man sieht die Hochhäuser von Böfingen, man sieht den Turm der Schapfenmühle in Jungingen. Wir sind dankbar und auch in bisschen stolz. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist.

 

Pfarrer Dr. Bernhard Lackner

 

Bildnachweise:

  • Kartause Marienau - WIKIMEDIA  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0
  • Rettungshubschrauber CHRISTOPH 22 über Ulm - WIKIMEDIA  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0