Am 25. Mai 2026
Was wünschen sich junge Menschen? Was wünschen sich junge Paare, junge Familien? Wenn man sie fragt, dann antworten sie: Wir möchten dazugehören. Dazugehören. Viele leiden darunter, dass sie nicht dazugehören. Einsamkeit nimmt zu in unserer Gesellschaft. In Großstädten sind die meisten Haushalte Single-Haushalte. Soziologen sprechen von Individualisierung. Uns allen steckt noch die Corona-Pandemie in den Knochen, vor allem aber den jungen Leuten. Monatelang waren wir in Quarantäne, im Hausarrest, eingesperrt.
Sich mit Leuten treffen, die nicht zur eigenen Familie gehören, das war weitgehend verboten, damit man sich nicht mit dem Covid-Virus ansteckt. Verständlich, vernünftig. Gleichzeitig aber haben sich viele mit einem anderen Virus infiziert: mit dem Einsamkeits-Virus. Das macht die Seele krank. Was wünscht ihr euch, ihr Jungen und auch ihr Alten? Wir möchten dazugehören. Wir feiern heute noch einmal Pfingsten, Fest des Heiligen Geistes. Pfingsten ist auch der Geburtstag der Kirche. Die Apostel empfangen den Heiligen Geist. Sie verkünden den Menschen das Evangelium. Viele hören zu, lassen sich begeistern, lassen sich taufen. Kirche entsteht, Gemeinschaft. Kirche wächst. Viele wollen dazugehören. Die Lesungen aus der Apostelgeschichte, die wir seit Wochen im Gottesdienst hören, sie erzählen davon, auch heute. Petrus sagt: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person schaut, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Was wünscht ihr euch? Wir möchten dazugehören. Was können wir tun, damit viele erfahren: Ich gehöre dazu? Wir versuchen, die Türen unserer Kirche nicht zu verschließen, sondern zu öffnen, weit zu öffnen. In einer Benediktiner-Abtei, in der ich zu Gast war, stand auf einer Tafel am Eingang zu lesen: Patet porta magis cor. Offen steht die Tür, mehr noch das Herz. Das versuchen wir, im Gottesdienst, nach dem Gottesdienst, draußen auf dem Kirchplatz, im Gemeindehaus, in verschiedenen Gruppen, Initiativen, Veranstaltungen, in persönlichen Begegnungen. Was können wir tun, damit viele erfahren: Ich gehöre dazu? Wir vertrauen darauf: Wir machen das nicht selbst. Da ist ein anderer am Werk, ein ganz anderer. Gott ist der ganz andere. Er kommt auf uns zu, oft unerwartet, ganz anders, als wir es uns vorstellen. Er handelt zuerst, dann wir, mit seiner Hilfe. Er sendet uns seinen Geist. Er ist der Macher, nicht wir. Gott ist der ganz andere, das sagt Karl Barth, ein großer evangelischer Theologe im 20. Jahrhundert. Er formuliert seine Theologie als Antwort auf die Katastrophe des Ersten Weltkriegs. Vor dem Krieg gab es 43 gute Jahre, in Deutschland und in den Nachbarländern, Frieden, Wohlstand, Arbeit für alle. Fabriken wurden gebaut, Eisenbahnlinien, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Konzertsäle, Kirchen. Über allem thronte der Kaiser. Theologen sagten damals: Das Reich Gottes ist bei uns angekommen, zu 100 %. Wir haben es geschafft. Das alles brach zusammen, im Ersten Weltkrieg. Danach musste neu aufgebaut werden. Glaube und Theologie mussten neu gedacht und gelebt werden. Nicht wir sind es, die bestimmen und handeln. Gott bestimmt und handelt, oft ganz anders, als wir es erwarten. Er ist der ganz andere. Was wünscht ihr euch? Wir möchten dazugehören. Patet porta magis cor. Offen steht die Tür, mehr noch das Herz. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Kloster Irsee - Tagungshaus und eh. Benediktinerabtei -> LINK

