Am 26. Juli 2026
Station 1: Leben in Magdala – Aufbruch mit Jesus Maria Magdalena, die Jüngerin Jesu, die Osterzeugin, die Erstverkünderin des Evangeliums hat einen beeindruckenden Pilger- und Lebensweg hinter sich. – Was wissen wir eigentlich über sie? Was lesen wir über sie in der Bibel? Spannend ist – und bemerkenswert für eine Frau: Alle vier Evangelisten berichten von ihr! Was wissen wir von ihr, was können wir schlussfolgern?
Ihr Name wird, entgegen den Gepflogenheiten der Zeit und auch der Bibel, keinem Mann (wie etwa bei Johanna, Frau des Chuzas …) oder einem Sohn, sondern einem Ort zugeordnet, nämlich Magdala, dem heutigen Migdal am See Genezareth. Magdala lag an der Via Maris, einer wichtigen römischen Handelsstraße, hatte einen bedeutsamen Hafen mit ca. 200 Booten und war somit ein vitales Handelszentrum. Und Maria – aus Magdala – war wohl eine wohlhabende, vermutlich alleinstehende und selbständige 6 Geschäftsfrau. Nicht nur der Fischfang und die Fischverarbeitung, sondern auch zahlreiche Zulieferbetriebe wie Töpfereien, die für die Haltbarmachung der Fische in Salzlake benötigt wurden, machten den Ort am See reich. Doch offensichtlich war Maria nicht (mehr) glücklich in diesem Klima der Geschäftstüchtigkeit, obwohl sie selbst erfolgreich als Geschäftsfrau agierte. Sie war eine Suchende, sie suchte anderes, sie suchte mehr. Ihr Unglücklichsein, vielleicht auch ihre Krankheit oder einfach ihr tiefer Wunsch, anders zu leben, können wir mit den symbolischen sieben Dämonen bei Lukas in Verbindung bringen, von denen sie durch die Begegnung mit Jesus geheilt wurde. Mit Jesus und seiner befreienden Botschaft des fürsorglichen, guten Gottes, der alle Menschen in gleicher Weise als seine Kinder annimmt, konnte sie Hoffnung schöpfen: Sie hat die befreiende Kraft der Botschaft Jesu, des anbrechenden Gottesreichs und der damit verbundenen Geschwisterlichkeit aller Menschen im eigenen Leben, am eigenen Leib erfahren: Befreit konnte sie aufbrechen, sich auf den Pilgerweg mit Jesus machen. Gegebenenfalls nächste Station aufsuchen
Station 2: Unterwegs mit Jesus – Von Galiläa bis Jerusalem Maria Magdalena gehörte zum engsten Kreis um Jesus. Sie war eine herausragende Jüngerin Jesu. Ihre Bedeutung war immens, auch für die junge Christengemeinde nach dem Tod Jesu. Das wiegt schwer in einem Umfeld, das klar patriarchal geprägt war und in dem Frauen beispielsweise kein Zeugnisrecht hatten. Ähnlich wie Petrus bei den Männern war sie wohl eine Schlüsselfigur unter den Frauen, die Jesus nachgefolgt sind, bedeutsam für die ganze Jüngergruppe. Mit Jesus und der Gruppe um Jesus war sie auf Wanderschaft – von Galiläa bis Jerusalem. – Frauen trugen gewiss auch zur Versorgung bei, aber sie waren vor allem Jüngerinnen. Frauen waren von Jesus ausdrücklich ermutigte Hörerinnen des Wortes, wie wir etwa aus dem Gespräch Jesu mit den Schwestern Maria und Marta von Bethanien wissen. Jesus hat Frauen nicht ausgeschlossen, sondern sie, wie die Bibel mehrfach – und im patriarchalen Umfeld überraschend – bezeugt, als Gesprächspartnerinnen geschätzt, so etwa im Gespräch mit Marta bei Johannes, bei der sie das große Messiasbekenntnis spricht oder im Gespräch mit der namenlosen Frau am Jakobsbrunnen, die erkennt und versteht, wer Jesus ist. Jesus kommt Menschen nahe, er heilt sie und er befreit sie zum Leben und Maria Magdalena kann dies bezeugen.
Station 3 Jerusalem: Jubel, Schmerz und Schande – Osterhoffnung In Jerusalem verdichten und beschleunigen sich die Ereignisse in einer unüberbietbaren Dramatik: Und Maria Magdalena ist tatsächlich als einziger Mensch in allen entscheidenden Phasen seines Lebens und Sterbens bei Jesus, ihm treu auch in Bedrohung und Gefahr: Sie war bei Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem hinein ins Leiden und in den Tod; sie war und blieb im Leiden an seiner Seite, als andere das Weite suchten (Mk 15,40-41), sie beobachtet seine Grablegung (Mk 15,47) und hielt Grabwache (Mt 27,61). Und schließlich, biblisch bestens bezeugt, wird der Auferstandene ihr als Erstzeugin der Auferstehung den Verkündigungsauftrag erteilen. Die apokryphen Evangelien berichten allerdings davon, dass schon in der frühen Kirche eine Diskussion einsetzte, wer die erste Zeugin oder eben der erste Zeuge der Auferstehung war: Denn es konnte nicht wahr sein, was (allerdings biblisch bestens bezeugt) nicht wahr sein durfte: dass einer Frau die Osterbotschaft, das Evangelium anvertraut. wurde. (Joh 20,14-18; Mt 28-10; Mk 16,9-11). In einer patriarchal geprägten Umgebung eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit – und doch biblische Wahrheit und Wirklichkeit. Was lernen wir, was lernt unsere Kirche daraus? Was lernt unsere Kirche daraus, dass Maria Magdalena als einziger Mensch authentisch den Dreiklang des christlichen Credos von Gestorben – begraben – auferweckt bezeugen kann, sie, die wahrhaft Pilgerin der Hoffnung war. Schauen wir noch einmal auf die tödliche Dramatik der Tage in Jerusalem: Uns allen ist die Dramaturgie dieser Tage von Kindesbeinen an vertraut. Vom „Hosianna“ bis zum „Kreuzige ihn“, von Treuebekenntnissen bis zur dreifachen Verleugnung, vom schändlichen Tod des Messias am Kreuz bis zum anbrechenden Licht des Ostermorgens und der Osterbotschaft. Doch für die Jüngerinnen und Jünger, die das entsetzliche Geschehen in all seiner Grausamkeit und Erniedrigung mit ansehen mussten, gab es zunächst nur Grau, gramvolles Grau, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Maria Magdalena und die Frauen durchbrechen den Alptraum der endlos scheinenden, schwarzen Trauernacht: Ihnen, die treu sind im Tod und über den Tod hinaus, ihnen, die immer wieder aufbrechen, ihnen, den Pilgerinnen der Hoffnung, wird die Frohe Botschaft, das Evangelium anvertraut. Maria Magdalena, die Erstzeugin der Auferweckung Jesu, Maria Magdalena, eine Frau: Erstverkünderin der Frohen Botschaft. Ja, Maria Magdalena ist die Pilgerin der Hoffnung, sie trägt die Hoffnung in die Welt, dass Gewalt, dass Aggressions- und Todeskräfte nicht das letzte Wort haben, sondern die Hoffnungsbotschaft des geschwisterlichen Lebens in Gott.
Katholischer Deutscher Frauenbund - Jungingen
Bildnachweise:
- Andachtskerze zum Frauenbundgottesdienst - Foto: Wolfgang Feilen © 2026
- Maria Magdalena am Grab - Gemälde des Seelsorgers und Künstlers Ulrich Viereck
- Eglifigur zum Frauenbundgottesdienst - Foto: Wolfgang Feilen © 2026

