Am 11. Juli 2026

wahl sw

 

„Was will uns dieses Gleichnis vom Sämann sagen?“, so fragte einmal ein Pfarrer seine Religions-Schüler der dritten Klasse. Ein Schüler streckte und sagte: „Dass der Sämann schlecht zielen kann!“ Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht schmunzeln wir etwas über die Worte des Schülers. Aber überrascht es Sie nicht auch, wie ziellos der Sämann sein Saatgut verteilt? Warum hat Jesus dieses Gleichnis erzählt?

Die Jünger damals waren verstört: Jesus, ihr Meister, verkündete eine frohe Botschaft vom Reich Gottes; er tat Gutes unter den Menschen – und viele berührte das gar nicht. Manche waren auch eine Zeit lang begeistert dabei, wendeten sich aber von Jesus ab, weil ihnen anderes wichtiger war. Weil sie von den Nachbarn schief angeschaut wurden. Wie konnte das sein? Sahen sie denn nicht, welche Hoffnung in diesem Mann aus Nazareth lag? Sahen Sie nicht seine wundersamen Taten? Jesus gibt seinen Jüngern mit dem Gleichnis vom Sämann die Antwort: „Es ist ganz normal, was hier passiert. Das Wort vom Reich Gottes, das ich aussäe – es fällt nur bei wenigen auf fruchtbaren Boden. Aber: Dort wo es Frucht bringt, ist diese Frucht überreich. Hundertfach, sechzigfach, dreißigfach. Und darauf kommt es an.“ Jesus sät überall dort, wo er gerade unterwegs ist. Er zielt nicht. Er kann und will auch nicht zielen. Sein Wort fällt zu den Menschen, die um ihn herum sind. Ob und bei wem seine Saat Frucht bringt – das liegt nicht in seiner Hand. Was sagt uns das Gleichnis heute? Heute sind wir kraft Taufe und Firmung berufen, das Wort Gottes zu säen, Zeugnis von unserem Glauben zu geben. Um uns herum fällt die Botschaft von Jesus Christus aber kaum noch auf fruchtbaren Boden. So scheint es uns. Wir sehen Menschen, die meinen, dass die Naturwissenschaft längst die Religion widerlegt habe. Bei diesen Menschen fällt das Wort auf den Weg – Die Vögel kommen und fressen es. Was diese Menschen nicht verstehen: Gottes Wort und Naturwissenschaften können sich nicht widersprechen. Beide ergänzen sich, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten: Die Naturwissenschaft beantwortet die Frage nach dem „Wie“, Gottes Wort die Frage nach dem „Warum“ der Schöpfung. Wir sehen Kinder auf dem Weg zur Erstkommunion und Jugendliche auf dem Weg zur Firmung. Die meisten sind begeistert unterwegs. Aber nach ihrer Feier sehen wir viele von ihnen nicht wieder. Bei ihnen scheint das Wort auf felsigen Boden gefallen. Die Saat keimt schnell, aber die Wurzeln reichen nicht tief, und die Saat verdorrt. Wir sehen Menschen, denen anderes wichtiger ist als Gottes Wort. Die sonntags gerne ausschlafen. Die am Wochenende Zeit für ihre Hobbies brauchen. Die in Wohlstand leben. Und denen Gott im Leben nicht fehlt. Bei ihnen ist das Wort in die Dornen gefallen. Aber Jesus macht uns Mut. Nicht müde zu werden mit dem Säen. Nicht müde zu werden Zeugnis zu geben mit unseren Taten und Worten. Und zwar dort, wo wir gerade stehen. Im Beruf. In der Familie. In der Freizeit. Wir zielen nicht. Wir säen, Schritt für Schritt. So wie Beppo der Straßenkehrer aus Momo von Michael Ende. Vielleicht kennen Sie ihn. Wir wissen nicht, welches Wort, welche Tat Frucht bringt. Bei wem. Und wann. Das liegt nicht in unseren Händen. Schauen wir auf die Erstkommunionkinder. Vielleicht meinen wir nur, dass die Saat auf felsigen Boden gefallen ist. Vielleicht geht sie in ein paar Jahren doch noch auf. Wenn wir aber nichts säen würden – wie sollte dann etwas wachsen? Wie sollte die Saat dann Frucht bringen? „Frucht bringen“. Was heißt das eigentlich? Bedeutet „Frucht bringen“, sich aktiv in unserer Kirche zu engagieren? Sicher nicht nur das. „Frucht bringen“ im Sinne der Bibel bedeutet: Glaube, Liebe und Hoffnung zu den Menschen zu tragen. Und damit Gott zu gefallen. Auch ein Mensch, den wir nicht in unserer Kirche sehen, kann Frucht in diesem Sinne bringen. Überlassen wir es Gott, die Früchte der Menschen zu beurteilen. Unsere Aufgabe ist es, zu säen. Damit wir säen können, müssen wir uns aber selbst darüber im Klaren sein: Was säe ich denn? Wovon will ich Zeugnis ablegen? Was ist mir an meinem Glauben wichtig? Ich muss zunächst einmal ein gutes Saatgut in Händen halten, damit ich es säen kann. Und gut heißt: Da muss viel Evangelium drin sein. Wenig Kirchenrecht. Wenig Immobilien- und Vermögensverwaltung. Gar kein Missbrauch. Wenn wir das haben, dann können wir in die Vollen gehen und säen was das Zeug hält. Da macht es dann gar nichts, wenn man über uns sagt: Die können schlecht zielen!

 

Diakon Markus Lubert

 

Bildnachweise:

  • Das Gleichnis vom Sämann - KI-generiert
  • Kommunionkinder - Foto: Wolfgang Feilen © 2024