Am 25. Januar 2026
Kinder schreiben einen Wunschzettel vor Weihnachten. Sie schreiben auf, was sie sich vom Christkind wünschen. Auch Erwachsene haben so einen Wunschzettel, eher virtuell und ganzjährig gültig. Was steht auf unserem Wunschzettel? Dass Menschen in Frieden und in Freiheit leben können, in der Ukraine, im Heiligen Land? Dass Menschen Arbeit finden und eine bezahlbare Wohnung? Dass das Leben in unserer Kirchengemeinde frisch und engagiert weiter geht? Auch wenn wir in 14 Jahren in unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart nur noch halb so viele Priester haben, halb so viele Diakone, halb so viele Pastoralreferentinnen, halb so viele Gemeindereferentinnen als heute? Auch wenn das Geld weniger wird, 8,7 % weniger Kirchensteuern in diesem Jahr? Auch wenn wir 30% unserer Gebäudeflächen einsparen müssen? Wir werden uns verändern, als Kirche, als Christen, und es wird uns weiterhin geben, ganz sicher. Was steht auf Ihrem persönlichen Wunschzettel im Blick auf ihre Familie, ihre Arbeit, ihre Gesundheit? Einen Wunschzettel, den haben auch die Menschen im Heiligen Land vor 2000 Jahren und vor 2800 Jahren. Im 8. Jahrhundert vor Christus gibt es im Heiligen Land zwei Königreiche, das Südreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem und das Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria. Das Nordreich wird von den Assyrern angegriffen, einer Großmacht aus dem Osten. Gegen sie haben die Israeliten keine Chance. Sie werden besiegt. Die Hauptstadt wird zerstört. Viele sterben. Viele werden als Gefangene weggeführt. Das Nordreich Israel gibt es nicht mehr. Das Land ist jetzt eine assyrische Provinz. Es sind dunkle Zeiten. Doch die Israeliten hoffen: Es wird ein Licht aufgehen für uns. Die Not wird zu Ende sein. Genau das sagt ihnen der Prophet Jesaja heute in der Lesung. Auch die Israeliten 800 Jahre später haben einen Wunschzettel. Ihr Land wird von den Römern beherrscht und ausgebeutet. Vielen geht es sehr schlecht. Sie wünschen sich, dass einer kommt, der ihrer Not ein Ende macht, der Messias, der Gesalbte des Herrn, griechisch: der Christós. Matthäus, der Evangelist, er sagt: dieser Wunsch geht in Erfüllung, jetzt. Jesus ist der Christus, der Messias, für Israel und für die ganze Welt. Überall, wo er auftaucht, kommt ein Stück Himmel auf die Erde, Himmelreich. Gott will, dass alle gut leben können, in Gerechtigkeit, in Freiheit, in Frieden. Diese neue Welt, die von Gott kommt, sichtbar machen, das will Jesus und dabei helfen ihm seine Jünger. Dabei können auch wir ihm helfen. Wir versuchen es, in unserem privaten Umfeld, in der Kirche, in der Gesellschaft, auch in der Politik. Gerechtigkeit schafft Frieden. Wo Menschen in guten Verhältnissen leben können, hat der Frieden eine Chance. Der Sinn des Lebens ist erfüllt, wo Liebe ist. Die neue Welt, die von Gott kommt, sichtbar machen, das will Jesus. Dabei helfen ihm seine Jünger. Wir versuchen es ebenfalls. Was können wir tun? Was brauchen wir dafür? Wir brauchen dafür viel Phantasie und noch mehr Gottvertrauen. Mithelfen, dass die neue Welt, die von Gott kommt, sichtbar wird, dass uns das gelingt, das steht auf meinem persönlichen Wunschzettel. Ganzjährig.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweis
- Jesus mahnt das Volk Israels zur Umkehr unter den strengen Blicken der römischen Besatzer - KI-genreriert

