Am 01. März 2026
Wir wollen das Evangelium verstehen, dieses Evangelium von der Verklärung auf dem hohen Berg. Wir stellen vier Fragen. Die erste lautet: Was ist tatsächlich geschehen, damals vor fast 2000 Jahren, im Heiligen Land? Jesus steigt auf einen Berg zum Beten. Er tut das oft, regelmäßig, meist in der Nacht. Er sucht dort die Nähe seines Vaters im Himmel. Er sucht die Begegnung mit Gott und er findet sie.
Das gibt ihm Kraft und Orientierung. Gott gibt ihm Kraft, damit er wieder hinabsteigen kann ins Tal, hinab in die Niederungen des Lebens. Was er auf dem Berg erfährt, Gottes Nähe, das hilft ihm, für die Menschen da zu sein, für die Menschen, nicht nur an den hellen und frohen Tagen. Im Heiligen Land gibt es den Berg Tabor. Dort soll die Verklärung Jesu stattgefunden haben. Man kann diesen Berg als Pilger besuchen. Es folgt die zweite Frage: Was sagt uns das Evangelium über unseren Glauben an Gott, an Jesus Christus? Jesus steigt auf einen hohen Berg. Drei Jünger nimmt er mit. Die drei wichtigsten: Petrus, Jakobus, Johannes. Ihnen zeigt er sich in strahlendem Licht. Mose und Elija erscheinen. Er spricht mit ihnen. Mose steht für das Gesetz, für die Gebote. Elija steht für die Propheten. Was im Alten Testament vorausgesagt ist, das geht jetzt in Erfüllung, in Jesus. Die Jünger sind überwältigt. Petrus will bleiben, den Moment festhalten, drei Hütten bauen. Aus einer leuchtenden Wolke spricht eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Die Jünger haben große Angst, verständlicherweise, wenn wir bedenken, was sie gerade erleben. Jesus beruhigt sie: Steht auf, habt keine Angst! Gemeinsam steigen sie den Berg hinab. Jesus verbietet ihnen zu erzählen, was sie gesehen haben. Warum? Erst wenn Jesus von den Toten auferstanden ist, begreifen sie wirklich, wer Jesus ist. Erst dann dürfen sie davon erzählen, vorher nicht. Messias-Geheimnis nennen das die Bibelwissenschaftler. Dieses Messias-Geheimnis erscheint zum ersten Mal im Markus-Evangelium. Matthäus hat es in sein Evangelium übernommen. Wir kommen zur dritten Frage: Was sollen wir tun? Wir können uns fragen: Gab es in meinem Leben auch so ein Ereignis, so einen Moment, so einen Ort, so einen Berg der Verklärung? Plötzlich geht mir ein Licht auf. Ich sehe klar, wer ich bin. Ich sehe klar, was meine Aufgabe ist in dieser Welt. Ich sehe klar, was Gott mit all dem zu tun hat. Kenne ich in meinem Leben so einen Ort, Orte, wo mir dieses Licht wieder aufgehen kann, wo ich erneut klar sehe, wer ich bin, was meine Aufgabe ist in dieser Welt, was Gott mit all dem zu tun hat? Kenne ich einen Ort, Orte, an denen ich neue Kraft schöpfen kann, Kraft-Orte, damit ich meine Aufgabe erfüllen kann, damit ich hinabsteigen kann in die Niederungen des Lebens, wo nicht immer die Sonne scheint? Kraft-Orte, das kann eine Kirche sein, in den Vogesen, auf dem Odilienberg, oder ein schöner Platz in der Natur, der Bolgengrat im Allgäu. Unten liegt Oberstdorf, noch im Nebel, nicht zu sehen. Oben strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel, auf die Berge im Allgäuer Hauptkamm, Hochvogel, Nebelhorn, auf den Hohen Ifen, auf den Widderstein, alle im Schnee. Ein Kraft-Ort, das kann die Begegnung sein mit vertrauten Menschen, das kann ein Buch sein, ein Kunstwerk, ein Lied. I still haven’t found what I’m looking for. Was ist Ihr Kraft-Ort? Wir schließen mit der vierten Frage. Was dürfen wir hoffen? Was wird sein ganz am Ende, im Himmel? Da erstrahlt alles in hellem Licht, die Welt, die Menschen, Gott. Herr, es ist gut, dass wir hier sind.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Kirche der Verklärung auf dem Berg Tabor - Foto: Wolfgang Feilen © 2009
- Verklärungs-Mosaik in der Apsis - Foto: Wolfgang Feilen © 2009

