Am 22. März 2026
St.-Josephs-Haus, das war der Name eines ehemaligen Sanatoriums, in Davos gelegen, im Graubündischen – in der Schweiz. Erbaut wurde das Haus im 19. Jahrhundert, im Jugendstil, ein stattliches Haus, oben am Berg gelegen. Der Zauberberg lässt grüßen. Vor jedem Zimmer ein überdachter Balkon. Patienten mit Atemwegserkrankungen, mit Asthma, vor allem aber mit Tuberkulose, konnten dort liegen, warm eingepackt, und die gesunde Luft genießen. Liegekur nennt man das. Geführt wurde das Haus von katholischen Schwestern.
Ein Kollege erzählte mir: Seine Großtante war Ordensschwester. Als junge Schwester erkrankte sie an Tuberkulose. Sie wurde nach Davos geschickt. Ihr Orden hatte dort ein Haus. Sie wurde wieder gesund. Sie blieb in Davos, ihr ganzes Leben lang. Jetzt diente sie den Kranken. Sie wurde über 100 Jahre alt. St.-Josephs-Haus, warum trägt dieses Haus den Namen des heiligen Josef? Josef hat für die Menschen, die ihm anvertraut waren, gesorgt, so wie die Schwestern für die Patienten, die ihnen anvertraut waren, gesorgt haben. Josef erfährt von einem Engel im Traum: Das Kind, das seine Verlobte Maria erwartet, ist vom Heiligen Geist, Gottes Sohn. Josef nimmt das Kind und seine Mutter zu sich. Josef erfährt von einem Engel im Traum: König Herodes trachtet dem Kind nach dem Leben. Josef flieht mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten. So rettet er Jesus das Leben. Leben retten, den Kranken, die ihnen anvertraut sind, dienen, das war die Aufgabe der Schwestern im St.-Josephs-Haus. Die Diagnose Tuberkulose war damals, vor mehr als 100 Jahren, fast so etwas wie ein Todesurteil. Es gab keine Medikamente. Die einzige Hoffnung war eine Kur in der reinen Bergluft von Davos. Die Schwestern und ihre Patienten haben Gottesdienst gefeiert, in der Hauskapelle und in der Marienkirche, direkt neben dem St.-Josephs-Haus gelegen. Sicher haben sie in der Messe auch dieses Evangelium gehört, das wir heute gehört haben. Lazarus, der Freund von Jesus, ist gestorben. Jesus trauert mit den beiden Schwestern von Lazarus, Maria und Martha. Doch er tut noch mehr. Er sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Jesus redet nicht nur, er handelt. Er erweckt Lazarus zum Leben. Was für ein Wunder! Was für ein Geschenk! Die Schwestern in Davos haben zwar vermutlich keine Toten auferweckt, aber sie haben mitgeholfen, dass Todkranke geheilt wurden. Sie haben unzähligen Patienten das Leben neu geschenkt. Sie haben Leben gerettet, so wie es ihnen ihr Hauspatron, der heilige Josef, vorgelebt hat. Am vergangenen Donnerstag, dem 19. März, war sein Fest. Er ist der Patron der Kirche und der Kirchengemeinde hier in Jungingen. Auch wir versuchen, wie der heilige Josef den Menschen, die uns anvertraut sind, zu dienen, ihnen das Leben zu ermöglichen, gutes Leben. Das Sanatorium im St.-Josephs-Haus in Davos wurde vor vielen Jahren geschlossen. Tuberkulose kann mit Antibiotika geheilt werden. Liegekuren in Davos sind nicht mehr notwendig. Aus dem St.-Josephs-Haus wurde ein einfaches Hotel, für Schulklassen, für das Skischullandheim, und für Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem Allgäu, die dort geistliche Tage verbringen, Exerzitien im Schnee, geistliche Impulse, gute Gespräche und Begegnungen. Auch der ehemalige Stadtpfarrer von Leutkirch, inzwischen im Ulm ansässig, darf immer noch mitfahren nach Davos. Dem heiligen Joseph sei Dank.
Pfarrer Dr. Bernhard Lackner
Bildnachweise:
- Der Hl. Josef in Jungingen - Foto: Wolfgang Feilen © 2025
- Die Auferweckeung des Lazarus - Jose Casado del Alisal (1832-1886) um 1855
- St. Josefshaus in Davos - KI-generiert

